

Festivals in der Impact Entrepreneurship Qualifizierung
In der Impact-Entrepreneurship-Lehre in Bayern gewinnen Festivalformate zunehmend an Bedeutung. Der Artikel zeigt, wie Impact-Festivals als Lernräume, Vernetzungsplattformen und regionale Ökosystem-Hubs zur Qualifizierung von Studierenden und zur Stärkung wirkungsorientierter Gründungsstrukturen beitragen.
Impact Festivals an Bayerischen Hochschulen
Wer das Wort Festival hört, denkt womöglich zunächst an Musikfestivals wie Rock im Park in Nürnberg oder Lollapalooza in Berlin. Doch auch im Innovations- und Startup-Bereich sind Festivals nicht mehr wegzudenken. So treffen beispielsweise beim Bits & Pretzels Founders Festival jährlich internationale Gründer:innen, Investor:innen und Brachenexpert:innen aufeinander. Drei Tage lang sind sie in München, um in aktivierender Festivalatmosphäre Trends kennenzulernen und sich unternehmerisch zu vernetzen.
Auch an Universitäten und Hochschulen halten Festivalformate immer häufiger Einzug. Dort schaffen sie Situationen, in denen Lernen, Austausch und Transfer nicht nebeneinander, sondern gleichzeitig stattfinden. In kurzer Zeit und in einem gemeinsamen Raum entstehen Begegnungen, die im regulären Hochschulalltag oft nicht möglich wären. Genau deshalb hat die Impact-Entrepreneurship-Qualifizierungs-Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (StMWK) ihren Verbundprojekten Gestaltungsraum gegeben, um verschiedene Festivalformate zu entwickeln und umzusetzen.
Wie unterschiedlich Festivals konzipiert sein können, zeigen dabei zwei Beispiele aus der Förderung besonders deutlich: Im Verbundprojekt ERIC (Hochschule Coburg, Technische Hochschule Ingolstadt) steht beim Innovations- und Lernfestival IMPACT in Coburg das interdisziplinäre Arbeiten in einer eventisierten Projektwoche im Vordergrund. Studierende arbeiten fakultätenübergreifend und mit Innovationsmethoden an realen Herausforderungen, die von Unternehmenspartner:innen bereitgestellt werden. Die Festivalatmosphäre erzeugt hierfür eine niedrigschwellige und attraktive Lernumgebung. Ähnliche Festivalatmosphäre in kulturellem Setting, jedoch eine anderes Konzept verfolgt das Verbundprojekt U4Impact (Universität Bayreuth, Technische Hochschule Nürnberg). Beim eintägigen Bavarian Impact Festival wird das bayerische Impact-Ökosystem in Nürnberg zusammengebracht. Das Festival hat das Ziel, Studierende konkrete Einblicke in Impact-Karrierewege und -Gründungen zu ermöglichen und schafft außerdem den Rahmen für niedrigschwellige Vernetzung der regionalen Impact-Akteur:innen. Auch wenn die Inhalte und Methoden der beiden Festivals sich unterschieden, so zeigen sie auf ihre eigene Weise das Potenzial von Festivals für Impact Entrepreneurship Qualifizierung. Im Folgenden werden die beiden Festivals genauer vorgestellt und die Erkenntnisse aus vier Jahren Förderung zusammengetragen.
Infobox:
Was ist ein Festival im Kontext von Startups und Innovation?
Im Kontext von Startup- und Innovationsumfeldern sind Festivals mehr als reine Unterhaltungsanlässe. Sie fungieren vielmehr als zeitlich begrenzte, räumlich und kommunikativ verdichtete Interaktionsräume, in denen unterschiedliche Formate wie Pitches, Workshops, Keynotes und Networking gebündelt stattfinden. In der Innovations- und Entrepreneurship-Forschung gelten Festivals dabei als eventisierte Knotenpunkte von Innovationsökosystemen, da sie – je nach Ausrichtung – Begegnungen zwischen Akteur:innen aus Hochschulen, Startups, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und öffentlichen Institutionen ermöglichen, die im Alltagsbetrieb selten zustande kommen.
Weiterlesen:
Padilla-Meléndez, A., Fuster, E., Lockett, N., & del Aguila-Obra, A. R. (2020). Knowledge spillovers, knowledge filters and entrepreneurial university ecosystems: Emerging role of university-focused venture capital firms. Knowledge Management Research & Practice, 19(1), 1–12
Schüßler, E., Grabher, G., & Müller-Seitz, G. (2015). Field-Configuring Events: Arenas for Innovation and Learning? Industry and Innovation, 22(3), 165–172.


Projektwoche mit Festival-Charakter: Das IMPACT Festival an der Hochschule Coburg

In Coburg hat sich seit 2023 das Innovations- und Lernfestival IMPACT etabliert und wird mittlerweile jährlich als fakultätsübergreifende Projektwoche durchgeführt. Dabei setzen sich mehr als 200 Studierende aus bis zu fünf Fakultäten – von Design über Soziale Arbeit bis Maschinenbau – zu Beginn des Wintersemesters eine Woche lang mit realen unternehmerischen und gesellschaftlichen Herausforderungen auseinander. Im Vorfeld des Festivals werden über einen öffentlichen Aufruf Herausforderungen von regionalen Praxispartnern, Hochschuleinrichtungen und studentischen Initiativen eingeworben. Die etwa 20 Themen pro Festival reichen von der Gründung einer Erzeugergenossenschaft über Kurse zur gesunden Ernährung für Schulkinder bis hin zu technischen Lösungen für kommunale Fragestellungen.
Der Festival-Charakter der Veranstaltung entsteht unter anderem durch den bewusst gestalteten Rahmen, der sich an identitätsstiftende und aktivierende Elemente eines Musikfestivals anlehnt: Festivalbändchen, sogenannte Survival-Taschen, Musik, Liegestühle oder ein gemeinsames Bergfest zur Wochenmitte schaffen eine offene, informelle Atmosphäre, die Hemmschwellen senkt und fachliche wie organisatorische Grenzen aufbricht. So entstehen Räume, die Experimente ermöglichen und Studierende zur projektübergreifenden Vernetzung anregen. Für dieses eventisierte Lehrformat wurde die Hochschule Coburg 2024 mit dem MöglichMacher-Preis ausgezeichnet.


Erleben realer Innovationsprozesse
Im Zentrum des Festivals steht die Erfahrung realer Innovationsarbeit. Studierende aus technischen, gestalterischen und sozialen Fachrichtungen treffen auf unterschiedliche Denkweisen und Problemlogiken und müssen zunächst eine gemeinsame Sprache entwickeln. Gerade diese produktive Reibung wird zu einem wichtigen Lernimpuls, der Teamfähigkeit, Perspektivwechsel und Konfliktlösungskompetenz stärkt. Gleichzeitig sammeln viele Teilnehmende erstmals Erfahrungen darin, ihre Ergebnisse öffentlich zu präsentieren – etwa bei Pitch-Formaten oder dem gemeinsam entwickelten „Markt der Möglichkeiten“, der Raum bietet für direkte Gespräche mit externen Stakeholdern.
Die Eventstruktur verstärkt diese Lernprozesse zusätzlich: Studierende übernehmen organisatorische Aufgaben und erleben sich als aktive Mitgestalter:innen des Festivals. Dadurch werden neben fachlichen Kompetenzen auch Organisationsfähigkeit, Verantwortungsübernahme und Selbstwirksamkeit im Hochschulkontext nachhaltig gefördert.
Festival als Kooperationsraum
Das Innovations- und Lernfestival IMPACT übernimmt eine zentrale Brückenfunktion zwischen Hochschule und Praxis. Am Beispiel Coburg zeigt sich, wie externe Partner in großem Stil über öffentliche Projektaufrufe systematisch in die Lehre eingebunden werden und studentische Lernprozesse damit unmittelbar auf reale regionale Herausforderungen reagieren. Diese Öffnung wird durch die bewusste Verlagerung von Lern- und Arbeitsorten in den Stadtraum verstärkt: Temporäre Arbeitsplätze im „Zukunftsraum“ in der Fußgängerzone intensivieren dabei den Austausch zwischen Studierenden, Kommune und Projektpartnern und positionieren die Hochschule öffentlich sichtbar als regionalen Innovationsmotor.
Erfolgsfaktoren
Rückhalt durch die Hochschulleitung: Die Unterstützung auf Präsidiumsebene sichert Akzeptanz und institutionelle Verankerung über Fakultätsgrenzen hinweg.
Bewusste Eventisierung und Atmosphäre: Festivalbändchen, Musik, Survival-Taschen und Liegestühle schaffen eine inspirierende Lernumgebung und durchbrechen den klassischen Seminaralltag.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Studierende aus bis zu fünf Fakultäten arbeiten gemeinsam an komplexen Fragestellungen.
Regionale Verankerung: Ein öffentlicher Call for Projects bindet reale Herausforderungen regionaler Partner:innen ein und macht gesellschaftliche Wirkung erfahrbar.
Learnings
Partizipation: Mitgestaltungsraum für Studierende, um das Festival Peer-to-Peer für andere Studierende attraktiver zu machen.
Namen der Interviewten / der Projektmitarbeiter:innen
Sensibles Wording: Weichere Begriffe und fakultätsspezifische Übersetzungen senken Einstiegshürden für fachfremde Studierende.
Zeit und Kontinuität: Strukturelle Veränderungen benötigen mehrere Jahre und stabile Förderzeiträume.


Bavarian Impact Festival: Bühne für das bayerische Impact-Ökosystem

Während in Coburg vor allem projektbasiertes Lernen im Mittelpunkt steht, zielt das Bavarian Impact Festival des Verbundprojekts U4Impact der Universität Bayreuth und der Technischen Hochschule Nürnberg darauf, das Impact-Ökosystem als Ganzes aufzubauen und sichtbar zu machen. In der Kulturwerkstatt Auf AEG in Nürnberg kommen Studierende, Startups, Investor:innen, Kommunen, Förderinstitutionen und zivilgesellschaftliche Akteur:innen zusammen. Das Programm reicht von Keynotes über interaktive Workshops bis hin zu einer Startup-Messe und verschiedenen Pitch- und Matchmaking-Formaten. Besonders das Format „Meet & Match“ hat sich als wirkungsvoller Türöffner sowohl für Studierende als auch für Akteur:innen aus dem Impact Ökosystem erwiesen: Hier präsentieren Startups ihre Projekte und machen gleichzeitig deutlich, welche Unterstützung sie für die nächsten Schritte suchen – etwa Mitgründer:innen, Investor:innen oder neue Teammitglieder.
Darüber hinaus schafft das Festival gezielt Sichtbarkeit für gesellschaftlich relevante, aber häufig marginalisierte Themen wie Inklusion, soziale Innovation oder Kreislaufwirtschaft. Die Keynotes erfolgreicher Impact-Marken, wie Patagonia, Koawach oder Ecosia, holen diese Themen aus der Nische und positionieren sie als unternehmerisch relevante Zukunftsfelder. Komplexe soziale Herausforderungen werden so in konkreten Lösungen erlebbar.


Während in Coburg vor allem projektbasiertes Lernen im Mittelpunkt steht, zielt das Bavarian Impact Festival des Verbundprojekts U4Impact der Universität Bayreuth und der Technischen Hochschule Nürnberg darauf, das Impact-Ökosystem als Ganzes aufzubauen und sichtbar zu machen. In der Kulturwerkstatt Auf AEG in Nürnberg kommen Studierende, Startups, Investor:innen, Kommunen, Förderinstitutionen und zivilgesellschaftliche Akteur:innen zusammen. Das Programm reicht von Keynotes über interaktive Workshops bis hin zu einer Startup-Messe und verschiedenen Pitch- und Matchmaking-Formaten. Besonders das Format „Meet & Match“ hat sich als wirkungsvoller Türöffner sowohl für Studierende als auch für Akteur:innen aus dem Impact Ökosystem erwiesen: Hier präsentieren Startups ihre Projekte und machen gleichzeitig deutlich, welche Unterstützung sie für die nächsten Schritte suchen – etwa Mitgründer:innen, Investor:innen oder neue Teammitglieder.
Darüber hinaus schafft das Festival gezielt Sichtbarkeit für gesellschaftlich relevante, aber häufig marginalisierte Themen wie Inklusion, soziale Innovation oder Kreislaufwirtschaft. Die Keynotes erfolgreicher Impact-Marken, wie Patagonia, Koawach oder Ecosia, holen diese Themen aus der Nische und positionieren sie als unternehmerisch relevante Zukunftsfelder. Komplexe soziale Herausforderungen werden so in konkreten Lösungen erlebbar.
Erfolgsfaktoren
Peer-Vernetzung: Das Festivals vernetzt nicht nur Studierende, sondern auch Impact-Entrepreneur:innen untereinander.
Ankermarken als Publikumsmagneten: Bekannte Impact-Marken wie Patagonia, Ecosia oder Koawach erhöhen Reichweite und Erstbesuche.
Niedrigschwellige Atmosphäre: DJ, kostenloses Essen und Community-Setting grenzen das Festival bewusst von klassischen Karrieremessen ab und fördern Gespräche auf Augenhöhe.
Regionale Hub-Strategie: Die Bündelung mehrerer Standorte (z. B. Bayreuth und Nürnberg) schafft eine kritische Masse für sozialunternehmerische Gestalter:innen und stärkt das regionale Impact-Ökosystem.
Learnings
Kommunikationsaufwand: Der Erstkontakt mit potenziellen Teilnehmenden ist aufwendig, wiederkehrende Besucher:innen sichern langfristigen Community-Aufbau.
Finanzierung: Niedrigschwellige Impact-Festivals sind kaum kommerziell tragfähig und benötigen staatliche Co-Finanzierung.
Mobilität: Aktive Angebote wie Bus-Shuttles sind entscheidend, um eine hochschulübergreifende Teilnahme zu ermöglichen.


Die Wirksamkeit der Förderung: Ein Fazit nach vier Jahren

Formate wie das Coburger IMPACT-Festival und das Bavarian Impact Festival zeigen, dass Festivals weit mehr sind als vorübergehende Happenings. Nach vier Jahren Förderung und mehreren Festivaleditionen ziehen die beteiligten Projekte entsprechend ein positives Fazit. Aus anfänglichen Pilotformaten sind stabile Qualifizierungsbausteine geworden, die zunehmend in regionale Ökosysteme und Hochschulstrukturen eingebettet sind. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass nachhaltige Verankerung Zeit braucht. „Ich bin der Meinung, vieles hat sich wirklich erst im letzten Jahr ergeben, gerade was die Verankerung dieser Bedarfe aus der festen Lehre betrifft“, beschreibt Janine Koch (Hochschule Coburg) diese Dynamik.
Entscheidend war dabei eine langfristige Förderung, welche die notwendigen finanziellen und personellen Spielräume geschaffen hat, um Formate zu erproben, weiterzuentwickeln und strukturell zu verankern. Heute gelten die Festivals damit nicht mehr als experimentelle Zusatzangebote, sondern als tragende Elemente der regionalen Impact-Entrepreneurship-Qualifizierung – mit wachsender Bedeutung für Hochschulen, Studierende und die beteiligten Ökosysteme.
Interviewpartner:innen
- Dr. Christian Schadt, Hochschule Coburg, ERIC
- Prof. Eva Jakob, Universität Bayreuth, U4Impact (Verlinkungen zu den Steckbriefen)
- Janine Koch, Hochschule Coburg, ERIC
- Julia Kaberg, Hochschule Coburg, ERIC